Archiv für den Tag: 4. November 2017

Schnäppchen!

Schon mal einen Audi zum Preis vom Trabi bekommen? Nein? Schon mal beim Riesen nachgeschaut der mit „a“ anfängt und „mazon“ aufhört? Es würde mich nicht wundern, wenn er das auch hätte. Denn was er definitiv hat sind Verkäufer, die Fotos der Markenprodukte benutzen und dafür billige Fakes liefern. Das Schlimme daran ist: sie sitzen in China. Meistens. Verkäufer samt Produkte. Aber viel schlimmer ist: wir Händler, die für viel Geld Markenprodukte einkaufen – und ja, diese nicht unterm Einkaufspreis verkaufen, weil wir auch Geld verdienen müssen (die Mitarbeiter wollen leider immer noch nicht umsonst arbeiten, so ein Mist) – müssen uns vor unseren Kunden rechtfertigen, denn es sei schließlich „eine Frechheit, so viel Geld für das Produkt XY zu verlangen“. Was dabei vergessen wird: es ist nicht dasselbe Produkt. Da man das Originalprodukt aber nicht kennt, geht man als Kunde einfach davon aus, es sei dasselbe. Es sieht ja schließlich identisch aus. Auf dem Foto versteht sich. Meckern nach Erhalt der Lieferung durch den Riesen? Fehlanzeige. Denn warum sollte man meckern, wenn man schließlich nur ein paar Euro für ein Produkt bezahlt, das im Netz in verschiedenen Shops für ganz viel Geld angeboten wird. Das Produkt ist zwar nicht hochwertig und sieht auch entsprechend billig aus, aber 29 Euro für einen Betthimmel, der „in echt“ ganze 159 Euro kostet, tun ja auch nicht weh. Im Gegenteil – man macht sogar Luftsprünge, weil man ja sooo ein Schnäppchen gemacht hat. Der Verkäufer in China übrigens auch: denn er verkauft nicht nur Fakeprodukte die qualitativ vom Original weit entfernt sind (und in echt nicht mal so aussehen), er verkauft auch seine Kunden für blöd, die es nicht mal merken, dass sie etwas völlig anderes geliefert bekommen als sie gesehen haben. Denn der Kunde geht schließlich davon aus, dass auch andere Händler dieselbe Qualität liefern würden, allerdings zu einem viel höheren Preis. Eine Runde Applaus bitte.

Jeder, der eigene Produkte auf den Markt bringt oder es schon mal gemacht hat, weiß mit wieviel Arbeit das verbunden ist: nicht nur Entwürfe und Prototypen kosten Zeit und Geld. Laufendes Testen, Prüfen, Überwachen der Produktion und zu guter Letzt etliche Fotoshootings, um das Produkt für den Verkauf aufzubereiten, unterschätzt man als Kunde ganz schnell. Mit unserer eigenen Marke wissen wir sehr wohl, wovon wir sprechen. Und dann gibt es tatsächlich noch im Jahre 2017 echte Helden, die einfach per Copy und Paste ein Foto des Originalprodukts in ihren Shop reinballern (der mit „a“ anfängt und „mazon“) aufhört, sämtliche Kunden und Händler für bekloppt halten und nachgemachtes Billigzeug für ein paar Euro liefern, es aber mit einem kopierten Hochglanzfoto des Originals schmücken – weil sie sich nicht mal die Mühe machen ihren Schrott zu fotografieren. Und wissen Sie was das Schlimmste daran ist? Den Riesen interessiert es nicht mal, weil er selbst nicht der Anbieter ist und sich bei jedem Verkauf der Verantwortung entzieht. Ernsthaft? Ich dachte eigentlich, diese Schlaumeier wurden schon vor Jahren aussortiert. Beseitigt. (Geköpft?) Oder was auch immer. Falsch. Sie haben mittlerweile sogar eine Plattform, die sie in ihren krummen Geschäften unterstützt. Pfui, das macht man nicht. Das ist nicht nur unverschämt gegenüber der echten Marke, das ist auch noch Betrug. Denn jeder Verkäufer da draußen ist verpflichtet, das zu liefern was er abbildet. Und jeder ist mit Herzblut dabei. Also nicht der, der betrügt, sondern der, der sich die Arbeit und die Mühe macht. Fazit: die Sätze in diesem Beitrag sind viel zu lang (passiert immer wenn ich stinkesauer bin, dann vergesse ich Luft zu holen). Ähm, Fazit: Du bekommst immer das, was Du bezahlst. Entweder bist du schlau genug um dahinter zu kommen, dass du für den Preis vom Trabi keinen Audi fahren kannst, oder du lässt dich weiterhin für blöd verkaufen und bist überzeugt, ein Wahnsinnsgeschäft gemacht zu haben. Denn unabhängig von der Firmenphilosophie, -Konzept, Herkunftsland oder IQ des Verkäufers: niemand, absolut niemand kann es sich leisten, seine Ware zu verschenken. Wann kommt die Menschheit eigentlich drauf?