Abenteuer im schwädischen Möbelhaus

Für unser Showroom-Lager werden ein paar Regale gebraucht: was bietet sich da besser an, als die preisgünstige Variante aus dem schwädischen Möbelhaus. Eine schweizer Filiale ist so zu sagen fast um die Ecke. Also wird losgedüst um ein paar berühmte „Billys“ zu organisieren. Wieder zuhause angekommen stellt sich heraus, dass bei einem Regal mal ausnahmsweise nicht ein paar Schrauben, sondern gleich eine komplette Rückwand fehlt. Nun steht man da und hat 2 Möglichkeiten: in der Schweiz bei der Hotline anrufen und ein knappes Euro pro Minute bezahlen, was fast teurerer als das Regal selbst kommen kann. Man wartet meistens über 20 Minuten in der Warteschlange. Oder man fährt selbst wieder hin um die fehlende Rückwand abzuholen. Ich entscheide mich für die 2. Möglichkeit, zumal sich herausgestellt hat dass noch das eine oder andere Regal gebraucht wird. Mit Kind und Kegel angekommen, Kinder in´s Kino „gesteckt“, neue Regale besorgt und mit einem knapp 100kg Einkaufswagen durch den Laden zum Kundenservice vorgedrungen – und hinter 30 andere Reklamierende gestellt. Am Schalter verschwand ein zugegeben freundlicher, grinsender Mitarbeiter mit meinem Kassenzettel hinter einer Tür – auf nimmerwiedersehen (so kam es mir zumindest vor). Als ich schon dachte er wäre nach Schweden geflogen um meine Rückwand persönlich abzuholen, kam er wieder – immer noch grinsend, aber OHNE Rückwand. Dafür wurde ich gebeten, meine Rückwand selbst im Laden abzuholen. Er wäre nicht befugt, diese zu holen. Ich muss also mit meinem knapp 100kg Einkaufswagen zurück in den Abholmarkt, erneut einen Billy kaufen, meinen (mittlerweile 130kg schweren) Einkaufswagen wieder zurück zu ihm schieben, und er darf diesen Karton dann aufmachen und mir meine Rückwand aushändigen. Nun hatte ich aber „Glück“ mich mit ihm doch darauf einigen zu können, meinen Wagen so lange stehen zu lassen. Das heisst aber nicht dass es unbedingt einfacher wird: zum Kino rennen und nachschauen ob der Film noch nicht zu Ende ist, in den Laden rennen und einen neuen Wagen besorgen, einen Billy aufladen, an der Kasse mindestens 15 Minuten warten und – zurück am Kunden“service“ angekommen – mich erneut hinter der langen Schlange der Reklamierenden stellen. Zeitaufwand für die ganze Aktion: knapp 2 Stunden.

In Deutschland nutzen laut neuesten Studien immer mehr Menschen das Internet und kaufen dort ein. Ich glaube aber dass Vielen immer noch nicht klar ist, welchen Service sie in den meisten Onlineshops bekommen die noch mit Herz und Seele betrieben werden. Hier gilt nämlich noch: der Kunde ist König. Auch wenn dieses Abenteuer eine nervige und zeitraubende Erfahrung für mich war, habe ich doch etwas Schönes daraus mitgenommen: wenn man nämlich selbst ein Geschäft betreibt, hat man die Chance alles anders zu machen. Da steht der Kundenservice auf Platz 1 und ist für mich persönlich wichtiger als der Umsatz und Gewinn. Tagtäglich kehren zufriedene Kunden zurück in unseren Shop und kaufen ein, oder verabschieden sich mit einem „bis zum nächsten mal“ – für mich immer eine Freude aufs Neue und der Beweis, dass wir alles richtig gemacht haben und unsere Kunden sich gut aufgehoben bei uns fühlen. Dieses Gefühl würde ich nicht mal mit der Weltberühmtheit des schwädischen Riesen eintauschen.

 
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