Auf Internetjagd

Sonntag Abend, heftiges Gewitter und Platzregen. Folgen: abgesehen von gegossenen Blumen im Garten ist die Internetverbindung platt. Ein paar Stunden später immer noch kein Internet. Gefrustet wird Feierabend gemacht, denn ohne Internet ist alles doof ähm kann man leider nicht online arbeiten. Am nächsten Morgen ist immer noch alles doof. In so einem Fall hilft die Telekom Hotline (oder auch nicht): das Gewitter ist schuld, ein Blitzschlag hat den Verteiler beschädigt – knapp 600 Anschlüsse sind betroffen. Na gut, eine von 600 zu sein beruhigt natürlich. In der Regel ist Montag mein „Abschirmtag“ – der Laden bleibt geschlossen, ich bin telefonisch nicht erreichbar und arbeite von morgens bis abends am Shop. Kurzum, montags genieße ich den Luxus von Zuhause zu arbeiten. Diesen Montag wird gefrustet zum Laden gedüst um von dort aus Ware zu bestellen – zumal kurz vor den bevorstehenden Betriebsferien jeder Tag zählt, bzw. ein Tag Verspätung beim nachbestellen der Ware ganz schnell 2 Wochen längere Lieferzeit für unsere Kunden bedeuten kann. Im Laden angekommen ist dort auch alles doof – der Rechner will sich nicht mit dem Router verbinden oder umgekehrt. Abgesehen davon dass mir die Sache ein klitzekleines bisschen gespenstig wird (2 Anschlüsse die ca. 15 km voneinander entfernt sind, 2 Leitungen, völlig verschiedene Geräte und nichts funktioniert) brauche ich ganz dringend einen Plan B und habe keinen (und ich hasse es, keinen Plan B zu haben). Ein zweiter Anruf bei der Hotline, dann ein dritter, dann ein vierter ergibt irgendwann, der Router ist hinüber. Ein neuer Router wird sofort rausgeschickt, ist aber frühestens am nächsten Tag da – inakzeptabel. Nun gut, der Mann braucht/will ein neues Handy. Ich will/muss ins Internet. Mann und ich düsen zu einem Shop vor Ort um einen Vertrag für das Handy und mobile Internet abzuschließen. Mühsam herausgesuchtes Gerät (gefolgt von 1 Mio. mal „können wir jetzt endlich zum mobilen Internet kommen?“ meinerseits) hat nun zur Folge dass weiterhin alles doof bleibt: das gewünschte Handy ist nicht da, deswegen kein mobiles Internet, weil Komplettpaket. Und ohne Handy kann der Vertrag nicht abgeschlossen werden. Mann will kein anderes Handy, Frau kann nicht ins Internet (dem Mann wird das übrigens richtig übel genommen). Was tun? Der Verkäufer hat einen genialen Einfall: uns ein Modem zu verkaufen als Notlösung. Genial natürlich nur auf den ersten Blick (bzw. für ihn). Auf den zweiten Blick denkt der Rechner im Laden gar nicht daran sich damit zu verbinden. Ein mittlerweile sechster Anruf bei der Hotline ergibt: „Hm, komisch. Also Frau Wilke, Sie machen doch alles kaputt“ (danke, das hab´ ich gebraucht). Wäre es nicht so traurig fände ich es bestimmt auch komisch, aber angesichts der Tatsache dass wir bereits den späten Montag Nachmittag hatten, ich nicht arbeiten konnte, 3 Stunden unterwegs war, 3 Stunden für 14 Cent die Minute telefoniert habe und 3 weitere Stunden mit Kabel, Router und Modem Ein-, Aus- und Umstecken verbracht hatte, war ich bereits am durchdrehen (und das finde ich selbst meistens nicht komisch, höchstens diejenigen die mir dabei zuschauen dürfen). Außerdem war es definitiv zu spät um Ware zu bestellen. Rein theoretisch kann Ware natürlich auch telefonisch oder per Fax bestellt werden. Es sei denn, man weiß gar nicht was man bestellen soll weil man keinen Zugriff auf Onlinebestellungen hat – ohne Internet. Die Sache hat einen weiteren Nachteil: ohne Internet keine Pakete. Hat man keinen Zugriff auf den Onlineshop bzw. Kundenbestellungen kann nicht gepackt und ausgeliefert werden. Man könnte die Situation kurz zusammen fassen: ich bin fast arbeitslos (zumindest an einem Montag wenn der Laden auch geschlossen ist). Nun werde ich zum sechsten mal in eine Warteschleife mit entspannender Musik geschmissen, damit meine technischen Probleme unter Telekom Kollegen besprochen werden können. Anschließend:
„Na Frau Wilke, wie war die Musik?“
„Ganz entspannend, danke.“
„Was lief denn?“
„Weiß nicht mehr.“
„Das glaube ich Ihnen nicht.“
„Ich werde Ihnen nicht vorsingen, das können Sie vergessen. Außerdem würden Sie es bereuen.“
„Ach Frau Wilke, mit Ihnen ist es doch gemütlich.“
„Finden Sie den Fehler deswegen nicht?“
„Also gut Frau Wilke, alles wurde neu konfiguriert“ (wurde auch Zeit nach 20 Minuten meditieren, ich spielte schon mit dem Gedanken freiwillig Tapetenmusterrollen zu schneiden), „versuchen Sie es nochmals, jetzt, sofort! Wir haben nur noch eine Stunde Zeit“.
Der Rechner will aber nicht – nicht jetzt und nicht sofort und später auch nicht. Fassen wir mal kurz zusammen: einen ganzen Tag versuchen ins Internet zu kommen, einen Tag Verzug beim alltäglichen Wahnsinn (der abzuarbeitende Neuheitenstapel bleibt unberührt, auf Onlinebestellungen kann nicht mal ein Blick geworfen werden, Auszeit bei der Planung des neuen Ladens), insgesamt 3 Router (eins angeblich defekt, eins kommt angeblich morgen und eins muss zu seinem Zustand noch befragt werden) und die Leitung im Laden ist immer noch tot. Die Störung Zuhause wurde behoben – sonst gäbe es diesen Beitrag nicht – und um die Leitung im Laden wird sich ein Außendienstler kümmern der es mit mir hoffentlich nicht so gemütlich findet. Bis dahin bleibt alles doof.

P.S. Hab´ ich schon erwähnt? Frauen und Technik werden sich niemals vertragen – von der Technik so abhängig zu sein ist einfach unerträglich.

 
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