Gartenarbeit

Verkäuferin, Einkäuferin, Warenannehmerin, Onlineshop-„Pflegerin“, Lagerarbeiterin, Beraterin, Kassiererin, Sekräterin, Buchhalterin, teilweise Näherin und – seit Neuestem – Gärtnerin. Nein, das waren nicht meine Anworten auf die Frage „was willst du werden wenn du groß bist?“, das ist die Realität. Einiges davon macht mir selbstverständlich Spass, sehr viel sogar, sonst würde ich es ja nicht machen. Aber eigentlich war ich zufrieden und wollte mein Berufsbild nicht um „Gärtnerin“ erweitern. Meine Daumen sind nicht grün sondern so was von rosa. Aber man weiß ja nie was das Leben bringt. Und man/frau weiß auch nicht, wer jeden Abend die Bäumchen vor dem Laden rausrupft. Kann es mir schwer vorstellen dass es für einen richtig tickenden Menschen eine Befriedigung sein soll die besagten Bäume rauszurupfen. Mein Mann hatte so furchtbar Recht als er immer wieder betonte: das geht nicht gut… Aber ich habe meinen Dickkopf wieder mal durchgesetzt und die Bäume eingepflanzt. Die großen Blumentöpfe sind angekettet, die Baumstämme auch. Also weit kommen sie nicht, aber sie hängen jeden Morgen kopfüber aus dem Topf. Und eine Zeit lang habe ich jeden Morgen mit dickem Hals Gärtnerin gespielt und dafür gesorgt dass die Wurzeln wieder unten (und eingepflanzt) sind und die Bäume oben. Aus Sicht der frischgebackenen Gärtnerin ist diese Arbeit genauso sinnlos wie das ständige Unkraut Zupfen: man hat nur für kurze Zeit Ruhe. Natürlich mit dem Unterschied dass man  nach dem Zupfen wenigstens ein paar Tage Ruhe hat und auch dass man es machen muss, wenn man die Haustür noch finden will. Aber jeden Morgen auf´s Neue Bäume einzupflanzen gehört ganz klar in die Kategorie „muss ich mir nicht antun“ und so langsam wird´s mir auch zu blöd. Die Bäume werden am kommenden Wochenende abgeräumt und mit nach Hause genommen. Da geht´s ihnen gut: Sonne, Wasser und ein ruhiges Leben ohne ständigem Kopfstand. Und eigentlich bin ich ein friedlicher/freundlicher Mensch wenn man mich nicht provoziert. Aber wenn ich denjenigen erwische der sich täglich an die Bäumchen macht, dann wird er selbst vor dem Laden angekettet und dazu verdonnert, freundlich zu grinsen und die bunten Windräder zu halten. Mal sehen ob er dann irgendwann auch Wurzeln bildet.

 
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