Geschäftswagen

Frau bekommt einen Geschäftswagen. Nicht weil Frau zu viel Geld hat, sondern weil Frau zu viel Steuern zahlt. Und weil Frau zu viel Steuern zahlt, muss sie eine andere Möglichkeit suchen um Geld auszugeben (der Kaufrausch erreicht seine höchste Stufe). Aber Frau ist bescheiden, und will einen kleinen, kompakten und sparsamen Geschäftswagen. Rein theoretisch würde bei der Körpergröße auch ein motorisiertes Dreirad ausreichen, aber das findet Frau nicht. Also will Frau einen Smart (um beim schlechten Wetter hinter der Verkaufstheke im Laden parken zu können). Voller Vorfreude die Probefahrt organisiert, aber gleich gescheitert: Frau hat ihre zwei Kinder „vergessen“. Wenn also die Kinder morgens auf dem Weg zur Arbeit bei der Schule abgeladen werden, darf eins mitfahren und das andere hinterher rennen (und hinterher rennt jenes Kind, das an dem Tag Sport hat – im wahrsten Sinne des Wortes – ist der Schulranzen nämlich erstmal im Kofferraum verstaut, hat der Turnbeutel keinen Platz mehr). Schweren Herzens muss Frau zugeben, dass es mit dem Smart doch nichts wird. Nicht schweren Herzens bestellt Frau einen VW Polo. Und jetzt kommt´s: Frau bekommt ihren Geschäftswagen im April 2010. Soll nochmal einer sagen, der Autobranche gehe es schlecht – die Wartezeit für einen bescheidenen Polo beträgt knapp 7 Monate (sie sollen sich mal einen Beispiel an den Engländern nehmen, ihre Stoßstangen brauchen gerade mal drei Tage). Nein, Frau hat keinen Wagen mit Vichykarolack in rosa bestellt und eine Innenausstattung in rot mit weissen Punkten hat er auch nicht. Er ist vorerst langweilig weiss (bevor er mit Werbung von oben bis unten und zurück und nocheinmal rundherum und das ganze nochmal von vorne verschönert wird) und hat nur ein paar klitzekleinen Extras. Soll sich doch nochmal einer beschweren, die 3-wöchige Lieferzeit für handgefertigte Tapetentiere wäre zu lang.

 
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