Hausverbot

Über 50% aller Bestellungen nehmen wir zur Zeit telefonisch entgegen. Viele Kunden finden das prima, weil sie anscheinend immer noch auf Kriegsfuß mit ihrem PC stehen oder ganz einfach lieber per Telefon als online bestellen. Wir haben uns darauf eingestellt und die Mehrarbeit hält sich auch in Grenzen.

Also bestellt eines Tages ein „Kunde“ telefonisch und verbindlich ein komplettes Ritterzimmer. Ein 20 Minuten Gespräch, ich erkläre wir wir arbeiten, das Aussehen der Möbel wird festegelegt und der verbindliche Liefertermin auch. Ich teile dem „Kunden“ mit, dass er per Mail eine Rechnung zum überweisen bekommt: mit einer Frist die er bei der Bezahlung einhalten muss, damit die Möbel püntklich geliefert werden können. Gutmütig plane ich den „Kunden“ schon ein, das bedeutet auch, dass alle anderen Liefertermine verschoben werden, bzw. alle nachfolgenden Bestellungen eine längere Lieferzeit haben. Natürlich kommt es auch vor, dass uns aufgrund der langen Lieferzeit andere Aufträge entgehen.

Tage vergehen, der „Kunde“ meldet sich nicht und bezahlt auch nicht. Ich setze mich mit ihm in Verbindung und bekomme zur Antwort: warum senden Sie mir schon eine Rechnung wenn ich Ihnen keinen Auftrag erteilt habe? Ich wollte doch mit meiner Frau noch besprechen wo der Name des Kindes gemalt werden soll. Ich habe an Ihrem Angebot kein Interesse.

Der „Kunde“ möchte zu einem späteren Zeitpunkt auf uns zurückkommen. Was ich mir denke, darf ich hier nicht schreiben, ausser dass ich auch zu einem späteren Zeitpunkt auf so was gerne verzichte. Es hat eben etwas mit Anstand zu tun, sich zu melden wenn man einen erteilten Auftrag stornieren möchte. Es hat etwas mit Leichtsinn zu tun, so gutmütig zu handeln und ein Zimmer einzuplanen das nicht bezahlt ist, nur damit der Kunde nicht noch länger warten muss. Übrigens habe ich das nicht zum ersten Mal gemacht aber bisher hatte ich auch nur mit anständigen Kunden zu tun.

Natürlich ärgert man sich darüber, jetzt ganz besonders, wo wir mitten im Weihnachtsgeschäft sind und keine Zeit für irgendwelche Spielchen haben. Aber es gibt auch online so was wie ein Hausverbot, ist ja ganz praktisch. Und die Moral von der Geschicht: der Kunde ist König, aber so Mancher hat den Namen nicht verdient – weder „Kunde“ noch „König“.

 
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