Ist die Mama da…

…bekomme ich oft zu hören. Wer danach fragt? 99% der Anrufer die unsere private Telefonnummer wählen und mich nicht persönlich kennen. Und warum sie das tun? Weil sie davon ausgehen, ein Kind hätte den Anruf entgegengenommen. Woran das liegt? An meiner jungen, hohen Stimme, die wohl durch die Leitung noch jünger und höher klingt. Ganz schön nervig die Sache. Vor allem wenn der „Bösewicht“ sich nicht mal vorstellt und gleich nach der Mama oder Papa fragt. Er geht mal einfach davon aus dass sich ein Kind seinen Namen eh nicht merken kann. Nach einem dicken Seufzer meinerseits und der Aufklärung ist es aber umso lustiger sich die ganzen Entschuldigungen anzuhören (vor allem bei Versicherungs- oder Telekom-Menschen die mir der Mama etwas verkaufen wollen und aufgrund ihres Kommentars erstmal ziemlich schlechte Karten haben). Nicht nur bei entgegengenommen Anrufen ist dies der Fall – rufe ich bei meinem Banker an und lande an der Zentrale, werde ich lässig gefragt: bist du die Tochter? (Eine kurze Klarstellung, die Tochter meines Bankers ist keine 4 Jahre alt, man kann also auch maßlos übertreiben). Nach einem „Wie bitte?!“ wird aber auch in diesem Fall die Sache schnell geklärt und ich wette, die Bankangestellte beißt sich für den Rest Ihres Tages auf die Zunge.

Habe mir schon einiges überlegt: wenn´s klingelt und eine unbekannte Nummer angezeigt wird gleich mal vorzubeugen: Sanja Wilke, 34 Jahre, X Monate, X Tage und X Minuten alt. Ist aber mit ein wenig Arbeit verbunden, jedes mal wenn´s klingelt muss ich erstmal nachrechnen. Oder: Sanja Wilke, Mutter von 2 Kindern, verlangen Sie bitte nicht meine Mutter. Oder: Sanja Wilke, wenn Sie jetzt nach meinen Eltern fragen schreie ich mit meiner hohen Stimme so laut dass Sie bestimmt das letzte mal diese Nummer gewählt haben.

Glücklicherweise fragen unsere Kunden nicht nach meiner Mutter. Sie könnte ihnen nämlich auch nicht weiter helfen. Man geht ja auch nicht davon aus dass sich ein Kind mit dem Firmennamen, seinem Namen und der Tagesbegrüßung meldet. Aber auch nur deshalb. Ja, unsere Kunden sind schön höflich und reden auch mit „Kindern“. Na wenigstens etwas. Über kurz oder lang werde ich die privaten Anrufe boykottieren und meine „echten“ Kinder rangehen lassen – dann kann derjenige am anderen Ende ruhigen Gewissens die Mama verlangen. Jetzt kommt aber erstmal das Wochenende und es gibt drei weitere Kandidaten im Haus die für den Telefondienst zur Verfügung stehen. Und ich kann meine Stimme und meine Nerven bis Montag schonen – mit Ausnahme von Kundengesprächen natürlich. Aber diese fangen auch nicht mit „ist die Mama da?“ an.

 
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