Landleben…

… und seine Alltagsfreuden. Na ja, eigentlich Sonntagsfreuden, denn unter der Woche bekomme ich nicht viel vom Landleben mit. Aber wir mussten ja auch unbedingt ein Haus im Grünen haben. Man kann sich gar nicht vorstellen, wieviel Grünzeug es da gibt, meistens (leider) in Form von Unkraut. So gesehen, hat ein eigener Laden viele Vorteile – immer ein gutes Alibi, sich vom Unkrautzupfen zu verdrücken. Außer sonntags natürlich. Und so langsam gingen mir die Ausreden aus – bis heute. Aber jetzt habe ich wieder eine, und sie ist das Beste was mir passieren konnte – rein unkrauttechnisch gesehen. Ich mach´s nämlich nie wieder – Unkraut zupfen. Ich habe es diesmal auch nicht gemacht, aber irgendwie taten mir die restlichen Familienmitglieder leid und ich war kurz davor rauszugehen und mich in das Gartenabenteuer zu stürzen, als ich von draußen meinen Sohn schreien hörte: eine Schlangeee!!! Das war´s. Statt in das Gartenabenteuer, stürzte ich mich auf sämtliche offenen Fenster, die im nullkommanix wieder geschlossen waren. Denn wenn es etwas Krabbelndes bzw. Kriechendes gibt, wovon ich mich wirklich fürchte, sind das Schlangen – und dabei spielen Größe, Farbe und „Modell“ keine Rolle. Selbst Spinnen sind dagegen harmlos, weil sie auf der Ekelliste stehen, aber nicht auf den Fürchterregendliste. Und nun stehe ich im Büro und schaue durch das – natürlich geschlossene – Fenster was da draußen gegen die „Schlangeee!!!“ unternommen wird: mein Mann läuft in aller Seelenruhe in Richtung meines Sohnes (der sich fasziniert über ein Unkrauthaufen beugt). Ich starre das hohe Unkraut an, bereits darauf eingestellt, gleich eine Anaconda zur Gesicht zu bekommen – als mein Mann das „Ding“ hochhebt und meint, es sei „nur“ eine Blindschleiche. „Nur“ eine Blindschleiche ist kaum größer als ein Regenwurm, mit dem Unterschied, dass sie eben kein Wurm sondern eine Schlange ist. Und da hört der Spaß (und das Mitleid) auf. Ich ziehe meine Schuhe wieder aus und entscheide mich für Büroarbeit – so schlimm ist das Tapetenbüchereinscannen nämlich doch nicht, wenn ein Tapetenbuch und eine Schlange zur Auswahl stehen. Und während ich wieder mit einem Tapetenbuch schwitze, erinnere ich mich an einen frühen Abend vor ein paar Wochen: da standen meine Drei mit einem „haben-was-für-dich-Grinsen“ im Gesicht auf einmal vor´m Bürofenster – hätt´ ich mir denken können dass das nicht gut geht – als mein Sohn ganz unerwartet eine Kröte hochhebte und damit für einen Schrei sorgte (dafür hat er übrigens einen Fernsehverbot kassiert). Glücklicherweise ist morgen wieder Montag und ich überlege grade, ob ich zu meinem Dienstantritt auch gleich (m)einen Koffer mitnehme…

 
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