Mitbewerber

Vor ein paar Monaten hatten wir Email-Kontakt mit einem Mitbewerber. Was als eine heftige Auseinandersetzung anfing, ging irgendwann in eine, na ja, nennen wir es Plauderei über. Nicht über Gott und die Welt, sondern über das Geschäftliche: lokaler Verkauf von Möbel und Accessoires, unsere Onlineshops, auch ein wenig lästern über so manchen skandinavischen Hersteller usw. Interessant war es schon, vor allem festzustellen wie wir und unsere Mitbewerber mit dem ziemlich transparenten Markt im Bereich der Kindermöbel und Accessoires umgehen. Wo ich beim Entdecken von schönen Produkten sofort einen Link an eine gute Freundin (auch Shopbetreiberin) schicke, möchte ER erstmal alleine agieren. Für beide Verhaltensweisen gibt es eine logische Erklärung, bzw. gute Argumente. Bietet man in seinem Shop Produkte an die in ganz Deutschland nicht zu bekommen sind (zumindest für eine Zeit lang), ist einem der Umsatz gesichert. Alle Kunden kaufen in diesem Shop, weil es keine Alternative gibt. Ich kann es mir allerdings vorstellen dass diese Geschäftspolitik auf Dauer ziemlich anstrengend sein kann: ständiges „unter Strom stehen“, tägliches Durchstöbern von fremden Shops und der damit verbundene Ärger wenn es die Konkurrenz doch geschafft hat, den Hersteller ausfindig zu machen. Ich bevorzuge die andere Variante und beschränke mich bei diesen hat-sonst-niemand-Produkten auf Dinge aus eigener Werkstatt. Z.B. unsere Möbelgriffe, Textilien, Bilderrahmen, Babyaccessoires und natürlich Betten. Bei anderen Produkten ist mein Motto: gemeinsam sind wir stärker. MyJulius, Spiegelburg, Oliver Furniture und viele andere Hersteller sind der Beweis dafür, dass der Umsatz trotzdem nicht leidet, auch wenn dieselben Produkte in etlichen Shops angeboten werden. Im Gegenteil: arbeitet man miteinander und nicht gegeneinander hat der Kunde letztendlich einen Riesenvorteil. Ist ein Artikel bei uns grade ausverkauft und „die gute Freundin“ hat noch Vorrat, wird der Artikel ohne langen Wartezeiten von dort aus versendet – ohne dass der Kunde dies wahrnimmt. Umgekehrt ist es natürlich genauso. Solange die Shops bezüglich auf das Layout und Angebot nicht identisch sind gibt es auch keine Probleme.

Allerdings hat meine Einstellung wohl auch etwas mit meinem Geschlecht zu tun. Ich bin eine Frau, der angesprochene Mitbewerber ein Mann. Anscheinend tut sich ein Mann schwer damit, die gleichen Produkte auch woanders zu finden. Lokal ist es natürlich logisch: habe ich einen Laden und kommt ein Neuer mit ähnlichem Angebot dazu, ist der Ärger sicherlich erstmal groß. Online ist es etwas anderes, auch wenn beide Shops in Basel wie in Berlin erreichbar sind: jeder kauft dort ein wo er sich wohl fühlt. Wo er einen zusätzlichen Service bekommt, wo er noch etwas Schönes findet um z.B. die Versandkosten zu sparen oder ganz einfach seine Möbel abholen möchte. Dann wählt man den Anbieter der näher liegt. Und zwischen uns liegen ca. 500km. Es gibt also genügend Kunden für alle. Ich glaube auch nicht dass der Umsatz im Shop des genannten Mitbewerbers in den letzten Jahren gelitten hat, nur weil wir oder ein paar andere Shops dazugekommen sind. Um welchen Shop es sich handelt? Um DEN Shop der Shops für Kinderzimmer. Groß, schön und auf seine Art „mächtig“. Logischerweise möchte sich sein Betreiber nicht vom Thron schupsen lassen. Vielleicht wird er aber irgendwann auch einsehen, dass das nicht unsere Absicht ist. Ich kann mich noch erinnern vor ziemlich genau 5 Jahren einen Computer bekommen zu haben: bis dahin kannte ich das Internet nur vom hören-sagen, Bilderbearbeitung, html und co. waren ein Riiiesenfragenzeichen. Als leidenschaftliche Dekorateurin durch und durch stürzte ich mich natürlich gleich auf die Kinderzimmershops. Und da war er: der Shop der mich mit traumhaften Kinderzimmerbildern und Produkten zum Dahinschmelzen und am-Monitor-Kleben brachte. Was danach folgte war eine turbulente „Ebay-Kariere“ und unser eigener Onlineshop. Und ich traue mich zu behaupten dass er heute auch wunderschön und mittlerweile groß ist, und genauso zum Kauf animiert wie der obengenannte „Riese“ (auch wenn der Weg zu unserem Wunschshop noch lang ist). Schweren Herzens haben wir uns von einem Shop getrennt der nur das hatte, was sonst niemand hat: ausschließlich Fantasyroom Produkte. Einerseits. Andererseits ist unser neuer Laden die schönste positive „Nebenwirkung“ der veränderten Geschäftspolitik und ein Zeichen dafür, dass wir mutig genug sind um unseren eigenen Weg zu gehen und nicht in fremde Fußstapfen zu treten. Und wer weiß, sollten wir uns irgendwann 10 Angestellte leisten können, kommen alle unsere Unikate wieder in den Shop – und in den Laden. Versprochen.

 
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