Onlineshop und Laden

Seit über drei Jahren sind wir jetzt (erfolgreich) auf dem Markt. Wir kennen die Trends, wir können sehr gut abschätzen was unsere Onlinekunden wollen und wonach sie in unserem Shop suchen. Darauf kann man sich einstellen. Waren am Anfang quietschbunte Möbel gefragt, geht der Trend immer mehr zu schlichten und schönen weißen Möbel, die viel Freiraum für kreative Raumgestaltung lassen. Lokal allerdings haben wir keinen blassen Schimmer. Wir wissen nicht was die Kunden wollen, wir wissen nicht was hier gut ankommt und das ist sehr schwierig wenn man bedenkt dass wir in wenigen Wochen einen Laden einrichten müssen. Unser Warenbestand aus dem Showroom wird natürlich übernommen – es ist alles da. Die Wände können wir aber nicht mitnehmen, sie müssen neu gestaltet werden. Und wenn sie auch nur der „Rahmen“ sind in dem das Sortiment präsentiert wird, sind sie enorm wichtig weil der erste Eindruck zählt.

In unserem Showroom ist es voll. Sehr voll. Gemusterte Tapeten verstärken zusätzlich den „vollgestopften“ Eindruck, wenn auch wunderschön eingerichtet. Die Feedbacks unserer Kunden sahen aber eher so aus: man müsste mindestens eine Stunde in diesem Raum verbringen um alles zu sehen. Dabei hatten es Kunden die unseren Onlineshop kennen natürlich viel leichter. Für mich ist es besonders schwierig dies zu beurteilen: ich kenne jedes Produkt in- und auswendig und muss nicht erstmal einen Schritt rückwärts laufen wenn ich den Raum betrete. Dennoch sind wir für diese Kundenmeinungen sehr dankbar und werden uns beim Einrichten unserer neuen Räume ernsthaft Gedanken über diese Erfahrungen machen. Sieht man den Wald von lauter Bäume nicht, muss man Angst haben dass das mitgebrachte Kleinkind etwas zu Bruch gehen lässt wird man nervös – und geht. Die Ausstellung wird also „gestreckt“. Nichts leichter als das, wir haben mehr als doppelt so große Verkaufsfläche zur Verfügung. Alles andere ist aber sehr schwierig und fängt schon bei der Schaufenstergestaltung an. Rosa und hellblau sind im Shop der Renner. Der erste Gedanke als ich vor´m Ladenlokal stand: das schöne, große, in der Mitte geteilte Schaufenster wird zur Hälfte rosa und zur Hälfte blau gestaltet. Hier bekommt man allerdings mit, dass Mütter rosa nicht mehr ausstehen können. Somit hätten wir mit einem rosa gestalteten Schaufenster eher schlechte Karten. Und das ist nur eins der vielen „Problemchen“ die es zu lösen gilt. Beim Thema Wandgestaltung ist es auch fraglich, ob gemusterte Tapeten einen ahnungslosen Kunden inspirieren, oder seine Fantasie und Vorstellungskraft eher bremsen. Insofern machen wir uns Gedanken, ob wir unsere Mädchen- und Jungenecke einfach streichen und mit Bordüren aufpeppen (Sie merken schon, vielleicht kann ich mich vorm Tapezieren drücken). Dafür werden andere kleinere Nischen eingerichtet und tapeziert, um ein paar Gestaltungsbeispiele zu liefern. Ausserdem erlaubt der Ladengrundriss eine Präsentation von Tapetenbücher mitten auf der Verkaufsfläche – also nicht zu übersehen dass wir Traumhaftes für die Wände anbieten.

Abgesehen von der Einrichtung macht man sich auch über andere Dinge Gedanken: weit und breit ist kein schöner Kinderladen zu finden. Warum? Einerseits kann es natürlich für uns nicht besser laufen. Wir sind absolut konkurrenzlos und ich kann mir vorstellen, dass sich alle die so einen Laden vermisst haben sofort auf uns stürzen. Anderseits kann ich mir nicht vorstellen als einzige auf den Gedanken gekommen zu sein, hier einen Kinderladen aufzumachen. Warum tut es keiner? Kein Mut, keine Mitteln oder ganz einfach kein Bedarf auf dem Markt? Sicherlich haben wir mit unserem Onlineshop gegenüber „nur Ladeninhaber“ einen großen Vorteil. Der Shop bleibt natürlich weiterhin bestehen und wird immer mehr ausgebaut. Der Umsatz ist da und kann die hohen Betriebskosten auffangen. Dennoch ist man mit einem Laden natürlich auch auf den lokalen Umsatz angewiesen – irgendwann. Liegt man dabei mit seinem Sortiment ziemlich daneben, hat man ein Problem. Geht der Onlineshop wegen der Wirtschaftskrise in die Knie, hat man auch ein Problem. Insofern tröstet uns immer noch die Nähe zur Schweiz: die deutsche Wirtschaftskrise kann uns schnuppe sein, so lange an unserem Laden täglich Tausende schweizer Kunden vorbeikommen (und hoffentlich auch reinkommen).

Wie auch immer, heute wird der Mietvertrag unterschrieben und dann gibt es kein zurück – zumindest für eine bestimmte Zeit nicht. Wir verlassen uns auf unser Bauchgefühl das uns sagt, dieser Schritt wird ein voller Erfolg. Wer Erfolg haben will und alles dafür tut, er hat ihn auch. So war es bisher und ich hoffe, so wird es auch in Zukunft sein. Und wenn wir „baden gehen“, haben wir es wenigstens versucht und werden uns voll und ganz auf den Onlinehandel konzentrieren.

 
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