Platzmangel (Nervenprobe)

Nun kommen wir zu den weniger schönen Dingen in Bezug auf unsere Umzugsgeschichte. Erstens, wir sind ein Gewinn, mehr noch, wir sind ein Juwel für Lörrach – laut Wirtschaftsförderung und Stadtplanung. Das ist schön. Wo ist der Haken? In Lörrach gibt es zentrenrelevante und nichtzentrenrelevante Sortimente. Das bedeutet, es gibt eine schlaue Liste die klar und deutlich vorschreibt, was wo verkauft werden darf. Das betroffene Gebäude ist nicht zentrenrelevant, weil zwar in der Innenstadt, dennoch nicht direkt in der Fußgängerzone. Wir dürfen uns also nur auf das nichtzentrenrelevante Sortiment beschränken. Das sind unter anderem Möbel, Tapeten, Teppiche, Lampen die bei uns auch der Sortimentsschwerpunkt sind. Wir dürfen aber weder Stoffe, Bettwäsche, Gardinen, Kissen, Babyartikel, Spielzeug noch Bekleidung verkaufen, bzw. diese Warengruppen – auch Randsortiment genannt – dürfen insgesamt max. 10% des Gesamtsortiments betragen – im Ladenlokal. Angesichts der Tatsache dass ich kurz davor bin einen 10-Jahres Mietvertrag zu unterschreiben, finde ich Einschränkungen in diesem Ausmaß nicht so prickelnd. Sprich, die Fläche ist groß genug um niemals wieder umziehen zu müssen, weil sie irgendwann auf 300qm reine Verkaufsfläche erweitert werden kann (in dem ein Versandlager zusätzlich angemietet wird), dennoch können wir nicht verkaufen was wir wollen und bei jedem Baghera Auto, Spiegelburg Spieluhr oder Bettwäsche müssen wir gleich nachmessen, ob wir noch im 10% Rahmen sind. Aber es geht noch weiter: für dieses Gebäude gibt es eine extra Regelung – Möbelverkauf ist ebenfalls nicht zugelassen. Erchwerend kommt hinzu, dass in Vergangenheit einem Möbelgeschäft eine Sondergenehmigung erteilt wurde, das Geschäft hatte jedoch keinen Erfolg. So gesehen haben wir schon aufgrund dieser Vorgeschichte jetzt schon schlechte Karten, bzw. die Stadt wird sich das gut überlegen, ob Sie diese Sondergenehmigung ein zweites mal erteilt. Abgesehen davon dürften wir rein theoretisch nicht mal beliefert werden. Zumindest nicht vor´m Haus, weil stark befahrene Basler Straße. Was tun? Ware hinter´m Haus annehmen. Wo ist der Haken? Die Fläche an der Warenannahme ist bereits an zwei große Geschäfte vermietet, und alle anderen gucken in die Röhre (wer auch immer dieses Gebäude geplant hat, er muss es bei mindestens 2 Promille im Blut getan haben). Fazit: man möchte den Standort Lörrach beleben und attraktiver machen – erfolgreichen Geschäftskonzepten gibt man jedoch kein grünes Licht, weil sie gegen sämtlichen Auflagen verstoßen (um es klar zu stellen, gegen die Auflagen zu verstoßen bedeutet in unserem Fall Ware anzunehmen und unseren Kunden weiterhin ein breites Sortiment anzubieten). Stattdessen schaut man lieber zu wie ein Geschäft nach dem anderen kaputt geht und die Stadt immer uninteressanter wird, bzw. eine große und attraktive Fläche aufgrund der unzähligen Auflagen seit sage und schreibe neun Jahren leer steht und nicht ausgebaut wird. Dann stelle ich mir doch die Frage, bin ich im falschen Film oder in der falschen Stadt (oder beides). Würde es uns finanziell nicht so schmerzen auf alle unsere Kunden aus der Schweiz zu verzichten, würde ich Stadt Lörrach mit unserem schönen Laden den Rücken zudrehen – und zwar ohne mit der Wimper zu zücken.

 
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