Selbstkritik die zweite

Ach ja, mir ist doch noch etwas zum Thema Selbstkritik eingefallen: man hat sich auch beschwert, dass ich viel zu viel hier meckere. Das stimmt aber auch. Nun, ich werde mal versuchen, mich zu „verteidigen“, weil ich eine harmonieliebende Waage bin, morgen Geburtstag habe und ein paar gute Vorsätze im Anmarsch sind…

Also, nicht umsonst sind alle „Meckerbeiträge“ der Kategorie „Hinter den Kulissen“ zugewiesen. Weil man als Kunde, Beobachter, oder gesunde Konkurrenz gar nicht weiß, was  wir mitmachen (müssen) und somit auch das eine oder andere gar nicht verstehen und nachvollziehen kann.

Anfangs, als meine erste bemalte Kommode bei Ebay auftauchte, stürzten sich lauter Möbelmaler auf mich und wollten jede Idee im Keim ersticken. Nach dem Motto: hier sind schon genug, noch einen mehr können wir nicht gebrauchen. Mit allen Mitteln hat man versucht, einem das Geschäft zu vermiesen. Wenn ich aber etwas gut kann, ist durchzuhalten wenn mir etwas sehr wichtig ist. Und das war mir wichtig. Auch weil ich der Meinung bin, dass jeder das Recht hat, seinen Hobby zum Beruf zu machen, oder das zu tun, was er am besten kann.

Meine Möbel verkauften sich auch noch ziemlich gut, was die Sache mit der Konkurrenz nicht unbedingt einfacher machte. Leider habe ich damals Lizenzmotive gemalt, daraus habe ich aber auch meine Lektion gelernt. Unwissenheit schützt nicht vor Strafe und so musste ich auch teuer dafür bezahlen. Jetzt denke ich: es war OK, ich wollte mit fremden Ideen und Motiven Geld verdienen (das habe ich auch), also muss ich dafür bezahlen. Dummerweise „stapelten“ sich damals bei Ebay Möbel mit Lizenzmotiven, also dachte ich gar nicht darüber nach, ob man das überhaupt darf oder nicht. Tja, mich hat man ausgewählt und angezeigt, und jetzt, 2,5 Jahren später, gibt es die Möbel bei Ebay ja immer noch… Aber den Kommentar dazu erspare ich mir, es wäre ja „geschäftschädigend“ und eigentlich will ich ja gar nicht mehr meckern.

Nun entwarf ich meine eigenen Kollektionen, diese kamen glücklicherweise auch sehr gut an: ich hatte richtig Spass am malen und entwerfen und, hoppla: die anderen hatten auf einmal Spass daran meine Sachen nachzumalen. Zugegeben waren meine ersten Malereien auch nicht unbedingt schwer nachzumalen – grünes Licht für alle die sich nicht mehr trauten Lizenzmotive zu malen, selbst aber nicht wußten wie es weiter gehen soll. Und da es ja mit mehr Arbeit verbunden ist, selbst Nächte lang da zu sitzen und zu versuchen, nimmt man doch das was es schon gibt. Schließlich hat man es dabei nicht mit einem großen Konzern zu tun von dem man richtig auf den Deckel bekommen kann, sondern mit einer Einzelperson die nicht mal eine eigene Webseite hat… Das Dumme ist nur, fängt einer an und wird nicht „ausgebremst“, ziehen die anderen auch gleich nach. Und bevor man sich richtig umsehen kann, verbringt man den ganzen Tag damit sich zu ärgern, statt zu arbeiten. Man ist am Boden zerstört weil man sich nicht so einfach wehren kann. Man hat das Gefühl, alle haben es auf ihn abgesehen, ohne überhaupt einen Grund zu kennen, warum. Drohende Mails waren keine Seltenheit, man soll doch verschwinden, man hat die Idee kopiert Ikea Kommoden zu bemalen usw.

Trotzdem hielt ich durch. Dazu brauchte ich viel Kraft und Nerven, viele Tränen wurden vergossen und ich malte, malte und malte, um immer besser zu werden. Ich arbeitete eigentlich ununterbrochen und heute frage ich mich, woher ich die Kraft nahm. Von Anfang an wollte ich etwas besonderes anbieten, etwas das es nicht schon gibt, ich wollte nicht im großen Ebay Angebot untergehen. Vom ersten Tag an gab es bei mir wunderschöne Kinderzimmerfotos, wo die Kommoden der Mitbewerber noch mitten in ihrem Wohnzimmer, ohne jegliches Deko das an ein Kinderzimmer erinnern könnte, fotografiert wurden. So kam ein Möbelstück nach dem anderen, ich entwarf Betten, die ersten Schminktische, Regale usw. Diese verkauften sich auch sehr gut. Also wurde es mit den Nachahmer immer schlimmer, weil ja nur das was gut läuft, es auch wert ist nachgebaut zu werden. Irgendwann wurde es zu viel, ich stand kurz davor alles hinzuschmeissen. Alles wofür ich Tag und Nacht gearbeitet habe, wovon ich geträumt habe, was ich geschaffen habe, war nicht mehr wichtig. Die Kraft die man braucht um in diesem Geschäft zu „überleben“, kann man irgendwann nicht mehr aufbringen. Statt sich auf die schöne Arbeit zu konzentrieren, musste man sich mit bösen Mails á la: „Dich krieg ich auch noch klein“ abgeben. Mein Mann gab mir die Kraft, durchzuhalten, weil er wußte, wie ich an meiner Arbeit hänge. Er war für mich da und machte alles mit, meine Kinder gaben mir die Kraft, als sie mit ihren strahlenden Augen die bunten Möbel anschauten. Meine Kunden gaben mir die Kraft, als sie nette Mails schrieben und die schönen Produkte lobten. Mit der ganzen Belastung die täglich auf meinen Schultern lastete, musste ich auch noch immer 100% leisten. Die Kunden wurden immer mehr und ich war alleine. Privatleben – Fehlanzeige.

Tja, es war eine harte, sehr harte Zeit die ich am liebsten vergessen würde. Aber sie gehört dazu. Als unser eigener Onlineshop fertig war, bekam ich ein Stück mehr Selbständigkeit und konnte mich immer mehr von Ebay lösen. Unsere Produkte werden immer exklusiver, immer aufwendiger in der Herstellung, weil es immer etwas zu verbessern gibt. Wir sind noch klein, sehr klein, und auch ziemlich unbekannt, jedoch verpassen wir keine Gelegenheit, uns weiter zu entwickeln. Verständlicherweise kann man unsere Produkte auch nicht mehr bei Ebay ab 1,00 Euro ersteigern, denn sonst wären wir innerhalb kürzester Zeit pleite.

Auch wenn der eine oder andere Leser meint, meine Beiträge wären überheblich und ich würde es keinem anderen gönnen, auch Schönes anzubieten und Erfolg dabei zu haben, ist es nicht so. Im Gegenteil, ich würde es jedem da draussen wünschen, nicht durch die gleiche „Hölle“ gehen zu müssen, durch die ich gegangen bin. Ich weiß auch dass ich nicht die einzige bin die kopiert wird. Jeder, der etwas Schönes zu bieten hat, hat es mit Neider zu tun. Sicherlich entdecke ich auch Dinge, die von anderen Anbieter kopiert sind. An dieser Stelle mein tiefstes Mitgefühl! Es ist ein langer Weg zu lernen, die negative Energie in die positive umzuwandeln, sich trotzdem auf seine Arbeit konzentrieren zu können und einen klaren Kopf zu behalten. Jeder muss es für sich versuchen, und jeder von uns kommt zu einem anderen Ergebnis. Bei mir hat es leider auch dazu beigetragen, das manchmal erbitterten Texte entstehen, und auch ein unverdrängliches Bedürfnis, mal endlich mit allen „abzurechnen“, die mir das Leben so schwer gemacht haben (und machen) – ohne mich zu kennen oder einen Grund dafür zu haben. Tja, ein Blog bietet sich eben (auch dafür) an…

In diesem Sinne, auf ein neues, meckerfreies Lebensjahr, mit vielen neuen Ideen und Selbstkritik. Ach so, erst morgen…

 
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