Umzugstagebuch (3)

Sonntagsfaulenzen? Das war mal. Seit es Fantasyroom gibt ist Faulenzen verboten (übrigens nicht nur sonntags). Aktuell ist Baustellenstress im neuen Laden angesagt. Am vergangenen Sonntag haben wir im Akkord 300qm Wände weiss gestrichen. Das Ergebnis: abgesehen von weissen Wänden ein derartiger „von Zehen- bis in die Haarspitzen Muskelkater“, der alle seine Vorgänger in den Schatten stellt. Die Planungsphase ist so gut wie abgeschlossen, jetzt kann es losgehen. Dass es aber niemals nach Plan läuft, wurde uns bereits am Samstag Abend klar: für die bevorstehenden Arbeiten wurde eine Laserwasserwaage besorgt. Für alle Antihandwerker unter den Bloglesern: man stelle den Laserknirps hin, stelle das gewünschte Maß ein (in unserem Fall 3,10 m Höhe) und bekomme 2 schöne rote Striche an der Wand, nach denen man sich bei seiner Arbeit orientieren kann. (Ein Fachmann hätte das jetzt bestimmt genauer erklären können, aber da ich weder vom Fach noch ein Mann bin, muss das reichen). Nun wurde der Knirps (ca. 40cm groß) ausgepackt, er wuchs über sich hinaus (auf stolze 1,10m) und warf 2 rote Striche an die Wand. Ich warf anschließend einen kritischen Blick über den waagerechten roten Strich und teilte meinem Mann mit: da stimmt was nicht. Dazu müsste man erwähnen, dass ich wohl als Kleinkind eine Wasserwaage verschluckt haben muss: ich habe so zu sagen einen eingebauten „Wasserwaagenblick“. Sprich, gibt es bei einer Breite von 6m auch nur einen Millimeter Differenz, reichen für mich 0,5 Sekunden aus, um meine Welt ins Schwanken geraten zu lassen. Ich nehme an, da drängt sich spontan die Frage auf, warum wir in meiner Anwesenheit überhaupt eine Wasserwaage benötigen? Nun, damit meine innere Wasserwaage richtig funktioniert, muss ich die Arbeitsfläche mit einem gewissen Abstand anschauen (mindestens 2m). Da der Laserknirps hauptsächlich dazu benötigt wird, um Streifentapeten gerade an die Wand zu bringen – was ich selbst erledigen darf – kann ich leider die Wand nicht aus 2m Abstand angucken und gleichzeitig tapezieren, denn dass würde mindestens 2m lange Arme voraussetzen. (Wer jetzt aber denkt ich bin immer so kompliziert – das stimmt nicht. Also nicht ganz.) Aber zurück zum Knirps: 1mm auf 6m Breite wäre ja (gerade noch) im Tolleranzbereich – nach genauem Messen stellte sich aber heraus, dass unser Laserknirps einen totalen Knick in der Optik hat: pro Meter kippte der rote Strich um einen Zentimeter nach unten (oder wie man´s nimmt, er stieg nach oben). Dazu sollte man auch auch erwähnen, dass der Knirps mehr als (nicht so knirpsige) 100 Euro gekostet hat. Der Laserknirps wurde wieder eingepackt und zurückgebracht. Anschließend wurde eine „primitive“ Wasserwaage besorgt, die im Baumarkt erst meinen Wasserwaagentest bestehen musste (beim 6. Exemplar war es dann so weit). Fazit: die Welt darf manchmal gemein sein, aber niemals schief.

P.S. Wie wir unsere Streifentapeten (auch im Akkord) gerade an die Wand bringen ist im Moment noch unklar, aber vielleicht finde ich ja noch ein Opfer das diese Arbeit für mich erledigt, während ich mit 2m Abstand Wasserwaage spielen darf…

Ach ja, fast hätte ich es vergessen – unsere weisse Wände natürlich (ich würde sagen, schon unglaublich gemütlich):

 
Beitrag teilen: