Urlaubseindrücke

Nun hatten wir uns dieses Jahr einen Tapetenwechsel gegönnt. Aber anders als viele vielleicht denken, war es kein Luxusurlaub, im Gegenteil, wir haben ein paar erholsame Tage in einem armen, sehr armen Land verbracht. Dennoch war es eine tolle Erfahrung, nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder. Man bekommt nicht alles was einem einfällt, wahrscheinlich müsste man durch das ganze Land fahren um große Einkaufszentren zu finden, weit und breit kein Internetcafé (nicht dass ich danach gesucht hatte) und sonst auch überall kleine „Lädchen“ mit einem mehr als spärlichen Sortiment. Nichts ausgefallenes, nichts exklusives, obwohl es auch sehr viele Menschen gibt die es sich leisten könnten. Wahrscheinlich würden wir mit unseren Kindermöbel dort ziemlich schnell weltberühmt werden, aber das ist ein anderes Thema.

Was mich aber berührt hat (und was ich am liebsten in einem Riesenkoffer miteingepackt und nach Deutschland gebracht hätte) ist die Gelassenheit der Menschen, ihre Gastfreundlichkeit, Warmherzigkeit und Hilfsbereitschaft. Die Uhren ticken dort um einiges langsamer als hier: keine gestressten „weg-da-jetzt-komm-ich“ Autofahrer auf den Straßen, kein Termindruck, kein Handygebimmel, kein Arbeiten 20 Stunden am Tag und keine daraus folgende, deprimierte Gesichtausdrücke. Hilfsbereite Menschen die nicht sofort nach einer Gegenleistung fragen, sobald sie um einen Gefallen gebeten werden. Und was mich am meisten beeindruckt hat, war ein Pferdehof etwas ausserhalb der Kleinstadt in der wir wohnten: jeden Abend, um Punkt 17.00 Uhr, stand ein älterer, freundlicher Mann mit einem immer lächelnden Gesichtsausdruck, und gab allen Kindern die Möglichkeit, kostenlos ein Pferd zu reiten. Er führte das Pferd, er redete mit Kindern, nahm ihnen die Angst vor dem stolzen Tier (zum Teil waren die Kleinen grade mal 2 Jahre alt), und brachte den Größeren all das bei, was sie in einer professionellen Reitschule auch lernen würden. Für null komma nichts. Jeden Abend standen die Kinder Schlange: Kinder der Reichen und der Armen, Kinder die Markenkleidung trugen und Kinder die in „Hochwasserhossen“ und verwaschenen T-Shirts zum Boden blickten. Alle Kinder hatten die gleiche Chance, die gleiche Möglichkeit. Alle dürften 5-10 Minuten reiten, danach absteigen und wenn sie das wollten, erneut in die Schlange stellen. Und wir standen mit: nein, das Reiten haben wir schon unseren Kindern überlassen, aber ich schaute mir die glücklichen, kleinen Gesichter an, die strahlenden Augen der Kinder und des allten, netten Mannes und fragte mich, wann es wohl in unserem Land etwas vergleichbares geben wird. Für alle Kinder die gleiche Chance etwas zu versuchen, selbstbewußter zu werden, und vielleicht auch einen Lebenstraum wahr werden zu lassen, egal ob sich die Eltern das leisten können oder nicht. Vermutlich nie.

Das Ergebnis: seitdem gibt es für unsere Kleine nur noch Pferde, Pferde, und nochmals Pferde. Der erste Anruf bei einer Reitschule in der Nähe unseren Wohnortes war aber ziemlich enttäuschend: „für 4-jährige bieten wir nichts an, erst ab dem Schulalter“. Dummerweise habe ich aber eine 4-jährige und keine 6-jährige Zuhause, und dummerweise hat sie mit großen Augen das Gespräch verfolgt und ist danach weinend davon gelaufen. Tja, in einer Sache sind Menschen in unserem Land wohl doch ganz oben auf der Liste: wie schafft man es, innerhalb der kürzesten Zeit Kinder zu enttäuschen. Ich schätze, es wird noch lange dauern, bis uns jemand vom 1. Platz verdrängt.

Nun habe ich leider nicht das nötige „Kleingeld“ um meiner Tochter ein Pferd zu schenken, und leider kann ich ihr momentan ausser ein paar mal Ponyreiten (gegen teuere Bezahlung!) auch keinen Kontakt zu den schönen Tieren bieten. Zumindest bis sie 6 ist. Aber ich werde mal fleißig Lotto spielen. Und sollte ich jemals zu denjenigen gehören, die diese sechs kleine Kreuzchen richtig setzen, dann werde ich auch weiterhin diese schönen Kindermöbel verkaufen, aber zum gleichen Preis wie im schwädischen Möbelhaus. Warum? Damit alle Kinder die gleiche Chance haben, ein besonderes Kinderzimmer zu bekommen – Kinder der Armen, und Kinder der Reichen. Versprochen.

 
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