Weihnachtswerkstatt

Als Kind fragte ich mich immer, wie es wohl in einer „echten“ Weihnachtswerkstatt aussehen würde: es duftet nach frisch gebackenen Plätzchen, viele fleißige Wichtel verpacken große und kleine Geschenke, in der Mitte steht ein magischer Spielzeugsack der Platz für Millionen von Geschenken bietet, aber dennoch so klein ist um auf dem Schlitten mitgenommen zu werden. Und natürlich, vor der Werkstatt „parkende“ Renntiere.

Nun, heute bin ich 33 (Leute, die Zeit vergeht) und weiß ganz genau wie es in einer Weihnachtswerkstatt aussieht: nix uwiederstehlicher Plätzchenduft, sondern Lackgestank. Nix viele fleißige Wichtel (hat jemand zufällig welche übrig?), sondern ein paar fleißige Hände. Nix magischer Spielzeugsack, sondern Kartons und Luftpolsterfolie. Und draussen parken nicht die Renntiere mit dem Schlitten (ein Bett passt schließlich auch nicht durch den Kamin), sondern ein Lkw der Möbelspedition und ein Wagen, der mindestens 2 mal am Tag zur Post düst. Warum ich das weiß? Weil ich jeden Tag in der Weihnachtswerkstatt stehe, von 7 bis 23 Uhr (mit kleinen Unterbrechungen). Ob man da in Weihnachtsstimmung kommt? Nicht wirklich. Nicht mal beim 10-minutigen Marathon durch die Stadt um das Nötigste zu besorgen, wenn man feststellt, dass am Strassenrand schon die ersten Plätzchen verkauft werden. Nicht mal dann, wenn die Kleinen einen Freudetanz machen weil es nur noch 5 Wochen bis Weihnachten sind (muss man immer an die kurze Zeit erinnert werden?!).

Oh nein, ich bin kein „Antiweihnächtler“. Ich liebe Weihnachten und freue mich jetzt schon auf leuchtende Kinderaugen vor dem Weihnachtsbaum. Es gibt einen ganz einfachen Grund, nicht in Weihnachtsstimmung zu sein: chronischer Stress nennt man das. Zu Weihnachten noch mehr als sonst. Aber dieses Jahr schenke ich mir und meiner Familie etwas ganz Besonderes: ich arbeite nicht am 24. Dezember. Ist doch auch mal was!

Und nun ab in die Werkstatt. Ho ho ho!

 
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