Wenn es am schönsten ist…

sollte man aufhören. Bevor unsere Stammkunden einen Schreck bekommen, muss ich gleich dazu sagen dass wir nicht ans Aufhören denken. Zumindest nicht ganz. Allerdings mache ich mir schon Gedanken darüber, welche Möbel aus unserem umfangreichen Programm gestrichen werden. Mal ehrlich, wo findet man noch Möbel aus Massivholz nach Wunsch gebaut und bemalt, meistens ohne Aufpreis, und darunter allein 26 unterschiedliche Betten. Für alle die nach Ausgefallenem suchen ist es natürlich ein Paradies. Für uns mittlerweile eine extreme Belastung, zumal die Möbel immer beliebter und gefragter werden, dazu kommen noch Kinderzimmerplanungen mit allem drum und dran: man bekommt ja alles aus einer Hand. Mittlerweile denke ich, wir müssen keine 26 verschiedene Betten im Programm haben, um den Kunden zu zeigen was wir alles können. Ausserdem hat sich mit der Zeit so ziemlich rauskristalisiert welche Möbel sehr beliebt sind, welche kaum Interesse wecken. Dann gibt es noch Dinge die ich nach wie vor sehr gerne bearbeite und bemale, andererseits gibt es Dinge die ich nicht mehr sehen kann. Auf der „schwarzen“ Liste ganz oben sind z.B. Schminktische. Wir räumen nun endgültig das Feld, nachdem die Dinger wie Pilze in anderen Shops spriesen. Also, in Kürze gestrichen. Die Kollektion Blumenwiese fliegt auch raus und die vereinzelten Produkte mit Autos wird es auch nicht mehr geben. Ist schon mal ein Anfang. Die Schlossgarten Kollektion ist auch ein Kandidat für den Rauswurf: mal sehen. Sonderanfertigungen sind natürlich nach wie vor ein Thema, aber nur auf Anfrage wenn man die Auftragslage abschätzen und die Lieferzeiten individuell bestimmen kann. Ausserdem werden nur Möbel angefertigt die an die Entwürfe aus dem Shop angelehnt sind,  für komplett neue Kreationen nach dem Motto „Mein Kind mag dies und jenes, können Sie sich was überlegen?“ bleibt keine Zeit.

Natürlich hat diese Entscheidung auch damit zu tun dass wir viele weitere Hersteller ins Boot geholt haben. Die Zeit zum malen ist kaum da, weil beraten, bestellt, gepackt, und wieder nachbestellt wird. Dazu kommt die Ladenplanung und die Neueröffnung diesen Sommer. Hier stapelt sich Ware die zum Teil bearbeitet werden muss, z.B. lauter Kinderstühle die bereits letzten Sommer geliefert wurden – bis jetzt hat kein einziger davon etwas Farbe abbekommen. Gleichzeitig werden wir bei unseren Kreationen noch mehr Wert auf Exklusivität legen. So wird jeder einzelne dieser Stühle ein Unikat bleiben und sie werden unseren neuen Laden schmücken. Jedes Motiv wird nur einmal gemalt und nicht nachproduziert.

Irgendwann muss man auch loslassen können: es gibt so viele Dinge die man entwerfen und herstellen könnte, aber man kann es nicht alleine. Es gibt so viele Dinge anderer Hersteller die unsere Kunden genauso glücklich machen wie unsere – und wir müssen sie nicht erst herstellen und die Kunden wochenlang warten lassen. Und es gibt auch so viele Dinge die man im Leben machen sollte – ausser rund um die Uhr zu arbeiten. So viel zu Theorie, ob es in der Praxis auch so klappt wie ich es mir vorgestellt habe wird sich noch zeigen. Aber eins kann ich jetzt schon sagen: es ist ein verdammt befreiendes Gefühl.

 
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